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Lateinische Fabelstunde: Äsop

NEWSTICKER: Unsere Lateinische Lernhilfe "Satzwertige Konstruktionen" enthält ab dem 15. Juli als Zusatz (anstelle eines bunten Kartons im Einband)  den Äsop-Text mit Übersetzung und grammatischer Analyse ! 

Herzlich willkommen zur Lateinischen Fabelstunde in meinem Miri-Blog !

Gestern hüpfte ich mit Helia durch den Illysischen Wald, mal als Häschen bzw. "Ninchen", dann als stylische Feuerkugel oder als hübsche Adlerin. Wir vergnügten uns mit Luftsprüngen, Hakenschlägen, Kapriolen und den akrobatischsten Figuren am halb bewölkten Himmel. Schließlich ruhten wir uns hoch oben in einer kleinen Höhle mit kurzem Gras aus, winkten den Steinböcken zu und knabberten Wurzeln. Wie wir so gut versteckt in unserer Steinhöhle lagen und die Wiese aufmerksam beobachteten, mit den Augen rundum schauten und die Ohren drehten, sodass keine bösen Überraschungen unseren Ausflug stören konnten, kam eine Adlerin über die Bergwiese auf uns zu gelaufen. Helia und ich drückten uns tiefer in die Höhle. Als sie uns bemerkte, zupfte sie sich ein paar weiße Federn aus dem Gefieder und streute sie in unsere Richtung aus, dazu machte sie lustige Bewegungen mit Kopf und Schnabel. Wir überlegten, aber es wäre gemein gewesen, sie zu erschrecken, indem wir uns in Feuerkugel und Adlerin verwandelten. Wir huschten also hinaus aus der Höhle, blieben aber da, nur sicher hinter Steinen versteckt, sodass wir durch eine wunderbare lange Hecke hätten fliehen können, als Kaninchen. "Alles in Ordnung, herzlich willkommen hier auf den Bergwiesen oberhalb des Illysischen Waldes. Ihr müsst keine Angst haben, ich bin Vegetarierin. Ich lebe schon sehr, sehr lange hier, und kann meine Vorfahren Jahrhunderte zurückverfolgen. Wir sind eine lange Kette von Adlerinnen, die die eigenen Küken niemals fallen lassen und auch Kuckuckseier aus zu kleinen Nestern aufnehmen. Im Laufe von Hunderten von Jahren wanderte unsere Familie vom griechischen Phrygien ins nördliche Alpengebiet. Wir sind so besonders babyversessen, weil am Anfang unserer Familiengeschichte ein schauerlicher Mord steht, der unserer Ahnin verdeutlichte, dass man Fehden niemals an Jungtieren auslassen darf. Sie gab deshalb einem armen und machtlosen Dichter den Auftrag, ihre Erlebnisse auszuschreiben, damit sie allen Tieren und Menschen eine Warnung sind. Ich habe hier eine lateinische Fassung für euch, die ihr als Bildungshäschen ja sicher übersetzen könnt. "Öhm", meinten wir verlegen und mussten kichern, "hoffentlich gibt's hier eine Beam-Verbindung, damit Omi uns die Vokabeln googeln und beamen kann." Helia schüttelte den Löwenköpfchen-Kopf und sprudelte los "ad feris depasti, also Pastete für wilde Tiere....oups...oh, aber....oh nein, ihre, sie, du Ärmste! ", seufzte sie, sichtlich kommotiert, wie die angeberische Lateinerin sagt, "deine, ah also, die Küken von der Ahnin wurden... getötet und davor noch andere Jungtiere....oh nein! von einer Kaninchen-Häsin, 'in conspectu matris unguibus dilacerare ', vor den Augen der Mutter mit den Klauen zerfleischt", oh Artemis! Helia hatte Schluckauf und hüpfte jetzt doch ganz langsam rückwärts Richtung Hecke. Ich bekam Angst, dass sie mich alleine lassen könnte und versuchte auch rückwärts zu hüpfen, aber weil ich dabei mit meinem verletzten Fuß immer Schmerzen gehabt hatte, rollte ich nur auf dem Bürzel herum...und öffnete manchmal den Mund, wie um etwas zu sagen. Vielleicht doch lieber Adlerin...

"Das ist eine Fabel von Äsop, die uns lehrt, dass auch weniger Mächtige sich rächen können und man deshalb seine Macht nicht missbrauchen soll, um ihnen zu schaden....Ich atmete auf. "Ach so. Also kein Trick. Vor Vögeln haben wir ein bisschen Angst, verstehst du, nicht böse sein deshalb". "Alles ok", sagte die Adlerin, "ich esse nur unbefruchtete Eier, ebenso meine Jungvögel. Du kannst deine Freundin ruhig zurückrufen und wir plaudern ein bisschen, wenn ihr Zeit habt. Sie kann ja toll Latein!" "Na ja, die Signalworte halt", beschwichtigte ich etwas eifersüchtig,"dann mal her mit dem Text." Ich las und mümmelte nachdenklich. Während ich übersetzte, kam Helia zurück und setzte sich neben mich, etwas hinter meinem Schulterspeck versteckt. Sie flüsterte mir Vokabeln ins Ohr, das ich unwillig schüttelte. Die Adlerin hielt ihr die gefiederte Schwinge entgegen: "Aquila Esopiou de Phrygia. Es freut mich, euch kennenzulernen." Helia senkte freundlich die Nase und streckte die Pfote in Richtung Schwinge aus.: "Helia aus Schwaben, genannt Wuschelflaum, ebenfalls sehr erfreut. Hier meine Freundin ist Miri, genannt Miri Puschelfuß oder Mira Miracula, bürgerlicher und eingetragener Turniername Mira Solis acris, vollständiger Name Mira Solis acris Tocher der Adventina12 Artemis Hoppel Ritter von Möringen". "Oh, nun, ein sehr langer Name. Ist Mira eine Adlige bei den Menschen ?", "Öhm Miri, bist du das ? Eigentlich nicht, ihre Omi ist nur ein bisschen...öhm...narrativ gesinnt. Genau, viel erzählerisches Temperament." Um Omis Ehre zu retten, erklärte ich schnell, kurz und knapp, dass meine Mami ein echtes Wildkaninchen war und daher eine Familiengeschichte hatte, die ebenso lang war wie die der Adlerin, nur eben unbekannt und geheim, da Mami sie mir sonst erzählt hätte. Die Adlerin verstand das sehr gut und freute sich über die Mutter-Tochter-Beziehung im Namen. "Also ich habe das jetzt auch übersetzt", schaute ich Helia an, die nickte: "Ja gut, dann legen wir los:"

 

 

Äsop schrieb:

 

De Aquila filios Cuniculi rapiente

 

Aquila in altissima arbore nidulata catulos cuniculi, qui longe inde pascebantur, in escam pullorum suorum rapuerat.Quam cuniculus blandis orabat verbis, ut suos sibi filios restituere dignaretur. At illa eum ut pusillum, et terrestre animal et ad sibi nocendum impotens, arbitrata eos in conspectu matris unguibus dilacerare et pullis suis epulandos apponere non dubitavit.

 

Helia und ich übersetzten:

 

Über die Adlerin, die die Kinder des Kaninchens geraubt hatte

 

Eine Adlerin mit einem Nest in einem sehr hohen Baum hatte als Nahrung ihrer Küken die Welpen eines Kaninchens geraubt, als diese weit entfernt von dort grasten. Die Häsin bat sie mit schmeichelnden Worten, sich zu entschließen, ihre Kinder zurückzubringen. Doch weil jene meinte, dass sie winzig sei, sowohl erdgebundenes Tier als auch unfähig ihr zu schaden, so zögerte sie nicht, vor den Augen der Mutter die Jungtiere mit den Klauen zu zerreißen und ihren Küken zum Verspeisen vorzulegen.

 

 

Wir lasen weiterhin bei Äsop:

Tunc cuniculus filiorum morte commotus hanc iniuriam minime impunitam abire permisit. Arborrem enim, quae nidum sustinebat, radicitus effodit. Quae levi impulsu ventorum procidens pullos aquilae adhuc implumes et involucres in humum deiecit, qui a feris depasti magnum doloris solacium cuniculo praebuerunt.

...und übersetzten:

Da sorgte das vom Tod ihrer Kinder bewegte Kaninchen dafür, dass dieses Unrecht ganz und gar nicht unbestraft davonkam. Den Baum nämlich, der das Nest trug, grub sie an der Wurzel auf.

Als er durch einen leichten Stoß der Winde umstürzte, warf er die noch ungefiederten und eingehüllten Küken der Adlerin auf die Erde, sodass sie von wilden Tieren gefressen wurden und dem Kaninchen großen Trost für den Schmerz gewährten.

 

Wir lernen bei Äsop:

Haec indicat fabula neminem potentia sua fretum imbecilliores despicere, cum infirmiores potentiorum iniurias ulciscantur.

 

Das heißt übersetzt:

Die Fabel zeigt, dass niemand, überschäumend in seiner Macht, Schwächere verachtet, weil auch die an Macht Geringeren Ungerechtigkeiten rächen.

Miri 04.07.2018 0 453
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