Klopfer Ansicht

Wildkaninchen Adventina12 zum Auftakt unserer Frühlingsausflüge

Hallo, ihr Lieben - hier ist mal die Adventi, mit deren Jungtieren diese virtuelle Baue und die Eroberung des Verlagshäuschen durch Kaninchen begann. Zur Abwechslung von den quietschvergnügten Romanen von Mira Puschelfuß (Übersicht über ihr Profil Mira Puschelfuß * Kaninchenromane   oder die Webseite www.kaninchenbuch.de) bereiten wir jetzt die Berlinale nach und Literatur auf, die sich mit unseren Umweltbedingungen und deren bedrohlichen Veränderungen beschäftigt. Wie ihr ja wisst, werden unsere Bücher jetzt UMWELTNEUTRAL gedruckt (auch schon die Kaninhop-Broschüre), für das Jahr 2020 ist eine Spendenaktion an die Deutsche Wildtierstiftung geplant und bsi Ostern stellen wir euch hier auch Neuheiten und Überlegungen zu kaninchenfreundlichen Lebensformen vor. Also Themen, die auch zu den Kaninhop-Romanen von Mira Puschelfuß passen. Den Start mache ich, eure Adventi, WIldkaninchen, das Gefallen am Wohnungs- und Terrassenleben mit Ausflügen auf Turniere, in Wälder und auf Wiesen fand, mit einer Geschichte aus WIldkaninchenperspektive. Darin versuche ich im Stile des nicht nur in unserer Region bekannten Brechts durch einen radikalen Perspektivwechsel erstmal Verständnis dafür zu wecken, dass selbst die ZweibeinerInnen, die uns wirklich verstehen und liebhaben möchten, die Welt anders sehen als wir. Und zur Frühlingsbegeisterung in der Zeit, in der wir üblicherweise auf den Wiesen erwischt werden, wenn wir hungrig Halme in uns hineinmampfen, wollte ich einfach mal einen wichtigen Hinweis darauf geben, wie man in der Landwirtschaft, auf deren Feldern wir ja ziemlich gerne naschen, darauf achten kann, dass die Osterhäschen nicht gänzlich von der Bildfläche verschwinden. Also hier habt ihr dann meine Kurzgeschichte mit dem hasischen Namen *Niemand konnte mich sehen* Viel Spaß beim Lesen, eure Adventi:  

* Niemand konnte mich sehen *

Ich saß zehn Meter von Licht und Luft entfernt in einem engen, schmalen Tunnel und lauschte auf Geräusche. Jede Sekunde konnte ein Lebewesen auf mich zurasen, an mir vorbeihuschen oder in mein Gesicht springen, mich rücklings überfallen oder starr vor Schreck schlagartig vor mir anhalten, sich biegsam blitzartig wenden und flüchten, noch bevor ich es täte oder mich anspringen, boxen und tödlich zubeißen. Ich begann zu scharren. Vor mir und rechts von mir, etwas erhöht. Die Erde warf ich weit hinter mich, dann krabbelte ich zurück und schob sie immer weiter und weiter durch die Erdröhre nach hinten. Das Wichtigste war, sich nicht einzugraben, wenn man einen neuen Tunnel anlegte. Und ein Seitengang, etwas höher als der Haupttunnel, tief in der Anlage, war ideal als Versteck. Jeder Feind würde Angst vor dem neuen Gang ins Dunkle haben und am Eingang zögern – wertvolle Sekunden, um weiter zu flüchten und noch die gefährlichsten Gegner zu verwirren.

Meine eigenen Leute erschraken sich zum Glück schon, wenn aus einer Verzweigung kräftige Geräusche kamen: lautes Klopfen reichte. Auch den Kopf blitzschnell vorzustrecken und dem Ruhestörer direkt ins Gesicht zu schauen, konnte genügen. Ich kratze weiter und krabbelte rückwärts. Zum Glück hatte ich lange, starke Hinterbeine. Beim Rückwärtsscharren waren sie arg gefordert. Aber die Erde musste raus aus dem Tunnel, sonst würde die Luft viel zu knapp. Weiterscharren. Scharren. Scharren. In meinem Bauch rumorte es. Es gurgelte und rumorte. Furchtbarer Hunger! Aber das Rumoren fühlte sich gut an. Das waren die Babys. Es waren mindestens sechs Stück. Vielleicht auch zehn. Klein und zart, aber mit meiner Milch würden sie in kürzester Zeit zu impulsgeladenen Wesen heranwachsen, die dann überall in der riesigen Höhle herumschießen und alle anderen Bewohner durcheinanderbringen konnten. Arglose, muntere kleine Gesellen. Ich freute mich maßlos auf diese Teile meiner selbst, die sich bewegten und das Buddeln und Scharren richtig schwer machten. Mir war heiß. Grunggrung – gurgelte es wieder in meinem Bauch. Ich musste raus aus der Höhle, am besten die zehn Meter zurück, an der frischen kalten Luft ausruhen und Zweige nagen. Blätter. Irgendwo Grünzeug finden, vielleicht im benachbarten Feld.  Rückwärts marsch…. Meine Nägel waren schon ratzekurz von den Bauarbeiten. Kiloweise Erde und Lehm, gemischt mit Stücken von Baumwurzeln, die ich beim Bau der Seitenhöhle mit meinen spitzen Vorderzähnen aus der Wand riss, lagen herum. Ich kam in die Nähe des Ausgangs. Ich scharrte mit aller Kraft die Erde vor mir zusammen und schleuderte sie nach hinten durch meine hochgestellten Beine. Rückwärts kroch ich hinterher.  Meine Ohren waren aufgerichtet und nach hinten gedreht. Die durch den Ausgang geworfene Erde mit kleinen Steinchen und Wurzelstücken würde andere Lebewesen schon vertrieben haben, so dass mich jetzt vermutlich niemand sah. Außerhalb des Baus war alles ruhig. Nur Stille und Dämmerung umgaben mich. Ich hüpfte durch Laub – schon das Rascheln war schrecklicher Lärm in meinen alarmbereiten Lauschern. Zurück auf weichen Waldboden, dann als Vorspeise leckerer Baumstumpf - leider nur auf wenig geschütztem, nicht mehr von den Zweigen der Bäume verdecktem Gebiet zu haben. Vorsichtshalber hielt ich mich deshalb nicht lange dort auf, sondern huschte leichtfüßig mit Windeseile in ein Feld direkt neben dem Waldstück des Baus. Hauptmahlzeit Mais. Die Pflanzen meterhoch und auf dem Boden bestimmt viele leckere Kolben. Um in aller Ruhe und sichtgeschützt zu futtern, hüpfte ich mit großen Sprüngen tief in die Mitte des Feldes. Niemand konnte mich sehen.

Liliane war gerade neunzehn und durfte nun endlich die Mähmaschinen fahren. Ihre Eltern waren einigermaßen modern eingestellte Landwirte und sie selbst wollte sogar Agrarwissenschaften studieren. Sie war durch und durch Naturkind. Die Vorstellung, ihr Leben lang den ganzen Tag irgendwo in einem Büro zu sitzen, war für sie grauenhaft. Schon jetzt zwischen Schule und Studium quälten sie die stundenlangen Leseabende in Bibliotheken. Aber sie brauchte das Wissen. Ihre Eltern hatten vor allem Überzeugungen, gewonnen aus jahrelangen Gewohnheiten, ohne diese jemals zu prüfen. Sie waren Jäger, Reiter, Massentierhalter. Liliane konnte das auch alles.  Aber als sie mit elf Jahren anfing, Dinge so wie ihre Freundinnen machen zu wollen, fiel ihre Wahl auf eine Stallhäsin, die eigentlich geschlachtet werden sollte. Lilianes Freundin hatte ein Wohnungskaninchen mit langem Angorafell, das winzig klein war und in der Wohnung lebte. Bei Liliane durften nicht einmal die Katzen ins Haus. Das Kaninchen der Freundin konnte kleine Tricks und leckte seiner Besitzerin die Hand ab. Liliane wünschte sich, dass ihre Häsin genau wie dieses Kaninchen würde. Ihre Eltern erlaubten, dass Liliane ihrem Kaninchen ein eigenes Gehege baute. Sie bekam bestes Frischfutter, Leckerlis, Häuser, Blumen und Büsche, Toilettenkästen, verschiedene Böden, alles was Liliane einfiel, um die Häsin glücklich zu machen. Sie verbrachten zwei Stunden täglich miteinander, während derer Liliane versuchte, ihr Kaninchen zu Kunststücken zu motivieren, Laufen und Springen über Hindernisse, Tauziehen, auf den Hinterbeinen stehen und sich drehen oder was beide sonst noch ersannen. Die Häsin wurde zudem noch zum Rettungsengel der anderen Kaninchen, denen weiterhin die Schlachtung drohte. Sie buddelte sich unter dem Gehegezaun durch und lief zu den anderen Kaninchen zurück. Die Eltern stimmten mit ihrer Tochter überein, dass Einsamkeit das Motiv dafür war, und erlaubten, dass Liliane ein weiteres Kaninchen zu ihrer Häsin setzte. Diese Gesellschaftshasen verschwanden ab und an auf seltsame Art und Weise – Liliane verschenkte sie heimlich an ihre Freundinnen. Danach erhielt ein anderes Kaninchen aus der Schlachthasengruppe den Gesellschafterstatus.

Es war nicht immer einfach, einerseits dasselbe zu machen wie die Eltern, andererseits noch als Teenager schon von deren Grundregeln und Gewohnheiten abzuweichen.

Eine der Neuheiten, die Liliane jetzt einführen wollte, war das Mähen von der Mitte des Feldes aus nach außen. Dadurch konnten vor allem Rehe die Mähmaschine rechtzeitig sehen und wurden auf der Flucht nicht vom kreuzenden Drescher überfahren. Das war gerade abends wichtig und bei hohen Pflanzen wie Mais. Die scheuen und hungrigen Waldtiere hockten versteckt an deren Fuß oder zwischen ihnen, knabberten heimlich Blätter oder nagten an den Stielen. Sobald sie die Mähmaschinen sahen – Monster aus Lärm und Licht – verharrten sie regungslos oder flohen wild querfeldein, manchmal direkt in die Maschine, von deren Fahrersitz aus niemand die Tiere sah.

Liliane fuhr den Drescher zügig geradeaus auf die Mitte des Feldes. Die Scheinwerfer strahlten weit über die Spitzen der hohen Maispflanzen. Einen Rehkopf würde sie sehen. Aber konnte sie schnell genug bremsen? Überhaupt wollten ihre Eltern eigentlich nicht, dass sie von innen nach außen und kreisend fuhr. Noch vor Erreichen der Feldmitte bremste sie ab. Sie blieb auf dem Feld stehen, ließ die Motoren laufen und stellte das Licht an und aus. Die Maschine lärmte und stank wie ein Drache.

Als ich den Lärm hörte, blieb mir der leckere Maisbrei im Hals stecken. Ich fühlte mich tot. Vor übermächtigen Gegnern rennen wir nicht weg, sondern ducken ab und bilden uns ein, schon gestorben zu sein. Feinde lassen sich manchmal davon überzeugen oder denken, wir wären erfolgreich geflohen. Später springen wir auf und rasen mit unglaublicher Geschwindigkeit davon. Ich duckte ab und Liliane steuerte auf mich zu.

Wenige Tage später hatte ich meine Höhle erfolgreich erweitert und spürte neun kleine Jungtiere an meinen Zitzen. Bei meiner Zickzack-Flucht aus dem Feld hatte ich den Mähdrescher nicht gekreuzt, da er noch um die Feldmitte kreiste. Der Drache hatte verschnauft, und ich war weg. Niemand konnte mich sehen.*

 

  

Adventina12 02.03.2020 0 171
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