Ausgeklopftes
    • ....auch wenn einige der Künstler sich schon wunderten. Sie malten Maria und Josef in ziemlich pompösen Gewändern, also eigentlich wohlhabend und mit Gefolge, so als ob sie sich schon ein Maultier oder ein Pferd hätten leisten können. aber malten das Eselchen schrecklich klein, wel es wohl bedeutungsloser aussehen sollte....so wie die Kaninchenspielzeug- und Häuscheniindustrie das heute noch macht, wenn sie uns Häuschen anbiete, in der sich gerade mal eine Maus ausstrecken kann....
    • Ein paar von diesen berühmten Bildern, die Artemis uns gezeigt hat, habe ich hier für euch mit Omi aus Kindlers Malereilexikon zusammengestellt:
    • Also das Eselchen ist immer nur hüfthoch, manchmal ist es auch ganz schick, aber seine Ausstattung ist meistens ziemlich einfach. Bei dem zweiten Bild geht sein Widerrist Josef immerhin bis über die Hüfte, sonst ist der Esel noch kleiner, oder wie ein echter Esel nur höchstens hüfthoch. Also offensichtlich kein so richtig geeignetes Reittier ?
    • Helia hat dann auch gleich rumgemeckert, ein Reittier dürfte nur ein Zehntel seines eigenen Gewichts tragen, und es wäre eine ganz furchtbare Unsitte, dass man manchmal Paare in der Proportion 1: 5 oder 1:4 fände. Und die Maler hätten wahrscheinlich nicht verstanden, dass sie bei so schicken Klamotten für Maria und Josef auch ein Maultier hätten zeichnen müssen. 
    • Artemis meinte dann, die Geschichte, die die Maler hätten malen müssen, wäre eben voller Widersprüche. Daraufhin fingen dann einige Zuchtkaninchen (mit Pokalen von Ausstellungen, räusper, kicher) an, das Wichtigste wäre, dass man schick aussähe, wie groß oder stark, sei egal. Naja als Kaninchen, nuschelte ich da leise in meine Fibrillen, aber wenn an ausgewachsene Menschen schleppen muss.... Und dann zeigte Artemis uns tatsächlich noch ein Bild mit einem Esel, der etwas größer als hüfthoch war und sehr schick angezogen, wie ein richtiges Dressurpony. So weit wie die Ausstellungs-Rasse-Kaninchen hatten diese Maler also immerhin auch gedacht. Das zeige ich euch hier als drittes Bild. In die hübschen ornamentalen Linien fügen sich aber auch die, also so richtig eselfreundich ist das Bild eben nicht....(Jetzt die drei Bider und dann kommt, wie die Maler begannen, über die Last des Esels nachzudenken).

Flucht vor 1400

 

Esel auf der Flucht  vor 1400#

 

Esel schick wie ein Dressurpony

 

Also der erste, der das Problem mit dem Esel richtig erkannt hat, war Giotto. Ihr seht hier sein Bild von der Flucht auf dem Esel nach Ägypten: 

 

Giottos Esel auf de Flucht

 

 

Durch die Farben und Linien sieht es erstmal ein bisserl so aus, als wäre das Eselchen dem Felsen im Hintergrund ähnlich. Also stark wie ein Fels eben. (Das war der zweite Spruch, glaube ich, den ich euch noch sagen wollte, der mit dem Esel zu tun hat). 

Dann ist das Eselchen nicht mehr wirklich ein Eselchen. Zwar reicht es Josef nur ca zur Hüfte - weil das vielleicht irgendwo so steht, meinte Artemis , aber direkt hinter ihm laufen Menschen, die kaum größer sind als das Eselchen selbst. Der Esel ist also schon eher ein Maultier. Weil aber Giotto vielleicht gefürchtet hat, dass man ihn kritisiert, der Esel sei ja keiner, hat er ihm ein besonders hübsches Eseläußeres gemalt, eine kurze schwarze Mähne und eine ganz weiße Nase, so wie Esel immer aussehen. Also er hat die Dressurpony-Lösung quasi umgedreht: Das Eselchen ist von den oberflächlichen Merkmalen seines Äußeren her ein Eselchen, aber von seiner Größe und Statur her ein Maultier. Und so kann man  sagen, dass Giotto der erste Maler war, der wirklich Verständnis für das Eselchen hatte und die Idee, ein kleines Tier mit Widerristhöhe von 1,05 m könne eine erwachsene Frau mit ihrem Kind nach Ägypten schleppen, zu grausam fand. Und deshalb das Maultier einführte in die christliche Ikonografie. Ich kann mir denken, dass Flummi jetzt gleich mal zur Omi hoppelt und sagt, das wäre alles Quatsch und es wären gerade die Kleinsten, so wie sie und Omi, die die größten Dinge vollbringen könnten, aber hoffentlich sagt Omi nix dazu......(ja, nein, ich bin nicht eifersüchtig, hab ich doch überhaupt nicht nötig, Flümchen ist super erfolgreich auf Turnieren, aber wenn sie im Training mal richtig S springen soll, schnauft sie wie so eine dicke kleine Dampfkartoffel.....hihi)

Helia auf jeden Fall griff sich eine Nuss, zermalmte sie genüsslich zwischen ihren Kaninchenzähnen und streckte den erschrockenen Ausstellungshäschen ihre Löwenkopf-Kaninchen-Zunge heraus. Dann schleckte sie sich genüsslich die Nusskrümel aus der Wamme (recht klein), und schaute Artemis wieder mit großen erwartungsvollen Kaninchenaugen an.

Und dann kam der Teil des Vortrags, der uns alle sehr bedenklich stimmte: Es gab einige Maler, die das Eselchen-Problem auch erkannten und in ihren Bilder das Leid und Elend des überforderten Reittieres nahezu in den Vordergrund stellten. Das sollte sich dann auf die Anstrengungen, die Maria und Josef und ihr Kind bei der Reise erfuhren, übertragen. Es ging also den Malern wahrscheinlich nicht darum, die Situation von Reiteseln zu verbessern, sondern Maria, Josef und ihr Kind als leidend darzustellen.

Man sieht in diesen Bildern Esel, die fast stürzen und deren Beine schräg nach außen gedrückt sind, Esel, die sich verzweifelt nach Wasser ausstrecken und die vom Straßenrand-Grasbüschel weggezogen werden müssen. Auch bei diesen Bildern sehnt man sich arg nach einem stärkeren Reittier, allerdings sind Maria und Josef nicht mehr viel reicher und weniger betroffen als das arme Eselchen, sondern nur noch normal ausgestattet, also so, dass die Überforderung des Esels mit ein bisschen Verständnis rechnen kann.....

Somit hier wieder drei Bilder mit dem Esel oder Maultier als schmerzensreichem Nutztier:

 

Eel auf der Flucht

Esel durstig

 

 

Esel auf der Flucht

 

Mit diesem doch auch irgendwie niedlichem Bild, das sooo viel Sympathie für das arme Maultier weckt, möchte ich mich heute von euch verabschieden als Kunstreferentin von Artemis, nachher blogge ich aber bestimmt noch etwas zu Hoggi, der noch immer nicht wieder in seinem Hubertussaal sitzt, aber vielleicht unter einem Sofa auf der Nachbarterrasse, wo wir ja als Babies mit unserer Mami oder ohne sie und zum Ärger Omis :D hihihihi) auch immer gesessen haben. Die Terrasse ist überdacht und das Sofa bietet Hoggi bestimmt 1,20 qm Schutz, ist außerdem sehr niedrig....mehr dann später, aber dass Hoggi leidet wie die Eselchen oder Maultiere, die Menschen früher kilometerweit tragen mussten, glauben wir im Moment nicht Also ich werde dann mal einfach quasi unsichtbar meine Familie im irdischen Mering besuchen und einen Blick unter das Sofa werfen.... So könnt ihr jetzt alle beruhigt schlafen und euch auf Teil 3 freuen, in dem wir gleich zwei Esel vorführen, Josef und das Eselchen, in einer Ruhepause, während der Maler Caravaggio sich über die beiden amüsiert  oder mit dem Esel über Josef ??? Es ist auch ein bisschen wie in Shakespeares Sommernachtstraum.....deshalb träumt jetzt erst nochmal in aller Ruhe, bevor ich euch mit viel mirischem Gekicher und den ganzen Bemerkungen von Helia auch noch diesen Triumph des Esels, wie Artemis ihn uns erklärt hat, darlege, als kunsthistorische und -theoretische Assistentin....was ich ja immer werden wollte, hätte ich nach meinem Unfall noch in die Regale springen können... 

*eure Miri*

27.12.2017
 
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